Schüsse, Schüsse

Den ganzen Sommer bis tief in den Spätherbst hinein brachte ich damit zu, jagen zu gehen. Ich machte zig Kaninchen und einigen Rehen den Garaus, ließ sie in der Gefriertruhe meines Onkels verschwinden, und vergaß sie.
An den Abenden betrank ich mich dumpf brütend über nichts vor dem Fernseher, und früh morgens fand ich mich im Wald wieder, auf einem Sitzstock hockend, mit elendig zittrigen Fingern und meinem Kopf randvoll Leere, Taubheit und dem infernalischen Bersten der aufgehenden Sonne.
Mag sein, es lag daran, daß ich mich nicht fühlte, aber genau kann ich es nicht sagen, denn als ich endlich aufwachte, konnte ich mich kaum entsinnen, jedenfalls nicht an Details, die mir jetzt wichtig erschienen.

Ich glaube, ich drückte mich; soviel scheint mir sicher. Warum aber, und vor was auch immer, entzieht sich mir völlig. Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Mir ist nur ein schmierig verschleierter Erinnerungssumpf geblieben, in dem Schüsse verhallen, kaum zu beruhigende Hände in heiß dampfenden Eingeweiden wühlen, und zahllos entleerte Flaschen zu grotesken Spalieren kippen. Das ist alles, mehr nicht, nur: Schüsse. Immer und immer wieder: Schüsse. Schüsse, die merkwürdig weich eindringen in die wächserne Zeit und sich sanft auflösen. Dann – nichts mehr. Aus.

 

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