Fatamorgana

‘Da vom Qualm‘, sagt er, ‘da komm man lieber weg‘, und es ist heiß und staubig, die Sonne ein zerfließender weißer Klumpen. Abseits verbrennt-verschmort in einem Feuer allerlei Zeugs, alte Schalbretter, Zementtüten, Kabelisolierungen, schwarz qualmend. Hat niemand angezündet, dieses Feuer, steht auch niemand stochernd daneben. Ist aber auch nicht wegzudenken von diesem Ort.
Er winkt mich weiter, ‘dahinten ist es gleich‘, winkender Mann auf flirrendem Fond, und wir bewegen uns in ungefährer Richtung, entlang an kniehohen Hölzern mit roten Plastikhüten, ‘hier geht die Straße her‘, sagt er, und um uns herum, eingestreut in die Ödnis wie willkürlich, harrt grobes Gerät, sonntäglich dösend: Ein Bagger hier, ein Kran dort, die Kreissäge drangehängt. Irgendwo allerdings pumpt eine Pumpe, man weiß nicht was, Staub? Man müsse sich vorstellen grüßende Nachbarn, spielende Kinder, blühendes Gebüsch. Sagt er, und dann stehen wir vor einer mehr oder minder quadratischen Grube und er sagt, ‘hier‘, und ich nicke.
Unten ist die Grube mit Zement bedeckt, gespannte Schnüre teilen vage ein. Die Hitze ist drückend, das Atmen fällt schwer. ‘Den Garten machen wir nach hinten raus.‘ Am Ärmel zieht er mich um die Grube herum, das karstige Nichts hat hier bereits anheimelnd vertraute Namen, ‘Hinten‘ und ‘Garten‘, und er ist aufgeregt und auch stolz, mein Freund, und mit seinen Armen beschreibt er großzügige Bögen. Und sagt: ‘Ringsrum pflanzen wir Taxus.‘
Und um uns herum andere Grüppchen, Luftspiegelungen gleich in der Distanz, stehend vor anderen Gruben. Und auch sie beschwören gestenreich und hingebungsvoll die Zukunft, bunt und bepflanzt, nach hinten raus, nach vorne; und niemand bemerkt, daß die Sonne sich nicht mehr zu halten vermag und langsam beginnt, aus dem Himmel zu rutschen.
Aber so ist es: Solange hier nichts fertig ist, solange hier eigentlich noch gar nicht wirklich angefangen wurde: Solange läßt sich das denken und haben, läßt sich alles an weit ausholendem Arm mit kühnem Schwung in hübschen Fraben hineinmalen in abgesteckte Vierecke, ausgehobene Gruben: Hier das Eßzimmer, hier die Kinder, hier dies, hier das; wird schön werden alles, wart mal ab.
‘Und dann kommst du uns besuchen und dir fallen die Augen aus dem Kopf!‘, sagt er und ich nicke wieder, und abends trinken wir süßen Wein in einem Gasthaus; die Verabschiedung später fällt eigentümlich befangen aus, abgewandten Blickes.

Ich habe so etwas einmal besessen. Und auch ich habe es abgesteckt und Schnüre gespannt, heilige Namen gerufen und mit rudernden Armen davorgestanden. Das alles, bevor ich es zu einem schlechten Preis verkauft habe.
Bevor mir die Augen aus dem Kopf fielen.
Bevor die Sonne ins Rutschen kam.

 

 

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